Samstag, 26. Mai 2012

'Du denkst du weißt wer ich bin' von Em Bailey

Mit "Du denkst du weißt wer ich bin" habe ich also meine erstes Wanderbuch gelesen und bin durchaus froh darüber. Hätte ich es selbst gekauft, hätte ich mich wahrscheinlich geärgert. Nun aber erstmal zum Inhalt:

Autor: Em Bailey
Originaltitel: Shift
Verlag: INK
reis: 17,99€
ISBN: 978-3-863-96023-0
Seiten: 346
Die Gerüchte um die Neue lassen Olive zuerst völlig kalt. Aber als Miranda und die beliebte Katie das unzertrennlichste Paar der Schule werden, weckt das Olives Aufmerksamkeit. Die sonst so selbstbewusste Katie verblasst regelrecht neben der neuen Schülerin, lässt sich total vereinnahmen und beeinflussen. Olive kommt das sehr unheimlich vor, fast so, als hätte Miranda übernatürliche Kräfte und würde von Katies Wesen Besitz ergreifen. Doch wer glaubt ihr schon? Jeder denkt doch, dass sie unter Wahnvorstellungen leidet. Entweder ist Olive jetzt tatsächlich übergeschnappt oder dieses ganze Gerede über Miranda ist wahr. Vielleicht ist sie doch eine Mörderin? [Quelle: amazon.de]


Zusammen mit ihrer besten Freundin Ami geht Olive dem Geheimnnis um Miranda nach und stößt auf Informationen, die sie als Humbuck abtun. Klar ist jedoch, dass Miranda etwas unheimliches im Schilde führt, was Olives Klassenkameradin und ehemals bester Freundin Katie gar nicht gut tut. Als es gefährlich wird, verschwindet Ami plötzlich und Olive ist auf sich alleine gestellt. Zu allem Überfluss richtet Miranda ihre Aufmerksamkeit auch noch auf Olive, nachdem Katie uninteressant geworden ist. Vollkommen auf sich gestellt kämpft sie nun ums Überleben. Aber dann ist da noch Lachlan, der neue in der Klasse und der einzige, der ernsthaft besorgt um Olive zu sein scheint

Leider muss ich sagen, dass mich dieses Buch eher enttäuscht hat, obwohl ich es in einem Rutsch gelesen habe.
Alles ist sehr knapp gehalten und bleibt eher oberflächlich, angefangen bei den Charakteren und ihren Beziehungen zueinander. Durch die Ich-Perspektive ist Olive die einzige, die man näher kennenlernt. Alle anderen bleiben vage Vorstellungen, die sich größtenteils auf knappe Beschreibungen des Aussehens beschränken. Olive Beziehung zu Lachlan baut auf kurzen Begegnungen auf, die an einer Hand abzuzählen sind, wirklich kennengelernt haben sie sich nicht.
Auch über Olives Vergangenheit und ihre Beweggründe erfährt man wenig. Gut ist zwar, dass ihr großes Geheimnis erst nach der Hälfte der Geschichte aufgedeckt wird, trotzdem bleibt das Ereignis vage und hätte genauer beschrieben werden können, auch um den Wissensdurst des Lesers zu stillen.
Kommen wir nun zum größten ungeklärten Geheimnis überhaupt: Miranda. Ziemlich am Anfang erfahren Olive und Ami ihr wahres Wesen, wenn auch ohne es zu glaube. Zwei Dinge stören mich hier: zunächst fällt den beiden die Lösung einfach in den Schoß und zum zweiten, und viel gravierenderen, weiß man zwar nun einen Namen für ihr Wesen, aber das wars auch schon. Im Laufe des Buches werden zwar auch die Auswirkungen klar, aber es wäre schön gewesen zu erfahren, woher diese Wesen kommen, warum sie ihre Fähigkeiten haben und ob alle sie so einsetzen, wie Miranda. Ihre Verwandte Oona, bei der sie untergebracht ist, scheint von der selben Art zu sein, ist aber keine Gefahr für die Menschen.
Nun noch eine Kleinigkeit am Rande: ich finde nicht, dass dieses Buch die Bezeichnung "Thriller" verdient hat. Es wird zwar zwischendurch spannend, aber nicht so furchteinflößend, wie ich es mir von einem Thriller erwarte. Also können auch zartbeseitetere Gemüter gut und gerne zugreifen.

Insgesamt ist "Du denkst, du weißt wer ich bin" ganz nett für zwischendurch, aber es bleibt zu viel ungeklärt und vieles ist sehr vage. Schade, denn die Idee ist gut, nur die Umsetzung nicht so gelungen.

Mittwoch, 23. Mai 2012

'Die Winterrose' von Jennifer Donnelly

Als ich Jennifer Donnellys "Die Winterrose" auf einem Wühltisch entdeckte, musste ich sofort zu greifen. Schließlich hatte ich schon viel Gutes über den Vorgänger "Die Teerose" gehört, zu dessen Kauf ich mich bis dato nicht entschließen konnte. Als ich dann mit "Die Winterrose" anfing, musste ich feststellen, dass es sich nicht, wie erwartet, um ein eigenständiges Buch handelte, sondern dass auch Personen aus dem Vorgänger eine große Rolle spielen. Dem Verständnis tat es keinen Abbruch, aber dazu später mehr. Hier erstmal ein kurzer Überblick über den Inhalt:

Autor: Jennifer Donnelly
Originaltitel: The Winter Rose
Verlag: Piper
Preis: 9,99€
ISBN: 978-3-492-25281-2
Seiten: 784

Die Reihe im Überblick:

1. Die Teerose
2. Die Winterrose
3. Die Wildrose


Voller Dramatik und Sinnlichkeit erzählt Jennifer Donnelly die Geschichte der jungen Ärztin India Selwyn-Jones aus dem London des frühen 20. Jahrhunderts: India kannte nur ein Ziel, sie wollte eine erfolgreiche Ärztin werden. Dann begegnete sie Sid Malone. Und plötzlich war es India gleich­gültig, daß sie Verbotenes tat. Daß sie ihre Verlobung mit dem ehrgeizigen Parlamentsabgeordneten Freddie Lytton aufs Spiel setzte, um sich endlich ihrer Liebe zu Sid hinzugeben. Doch es war ein Spiel mit dem Feuer, denn Sid war ein gejagter Gangsterboß aus dem berüchtigten Londoner Armenviertel Whitechapel - und zu seinen Todfeinden gehört Freddie Lytton [Quelle: amazon.de]


Als ich dieses Buch begann, hatte ich mich schon gesehen, wie ich Ewigkeiten dafür brauchen würde, bei der Anzahl an Seiten und meinem derzeitigen Lesetief. Zum Glück war dem dann doch nicht so und ich hatte das Buch (leider) relativ schnell durch. Einmal angefangen konnte ich es kaum wieder aus der Hand legen. Maßgeblich dazu beigetragen hat wohl der Erzählstil der Autorin. Denn indem sie immer wieder die Erzählperspektive wechselt, bleibt es am Ende eines Kapitels immer spannend und ich musste unbedingt weiterlesen. Etwas verwirrt hat mich allerdings zunächst, dass die nie da weitererzählt hat, wo sie vorher aufgehört hat. Nach wenigen Kapiteln hatte ich mich aber auch daran gewöhnt und konnte voll und ganz in dieses großartige Abenteuer eintauchen.
Wie schon erwähnt, tauchten einige Charaktere aus "Die Teerose" wieder auf. Für die, die es gelesen haben, ist es sicherlich schön, nochmals auf die Reise mit altbekannten und geliebten Figuren zu gehen. Für mich, die ich es nicht gelesen hatte, war es trotzdem ok, da die Geschichte der einzelnen Figuren nochmals angerissen wurden. Von daher fühlte ich mich nicht so, als würde mir Vorwissen fehlen.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Menschlichkeit der Figuren und somit die realitätsnahe Erzählung der Geschichte, was dem ganzen noch eine Spur mehr Dramatik verleiht. Die Charaktere handeln nachvollziehbar und das Schicksal fügt sich (meist) nicht so, dass es zwangsläufig auf ein Happy End hinausläuft - es gibt eine lange Zeit der Resignation und Hoffnungslosigkeit (ich bleibe mal so vage, um nicht zu viel zu erzählen). Man könnte sagen, es ist eine Geschichte, die das Leben schreibt.
Bei vielen Büchern bewundere ich den Detailreichtum und die damit zusammenhängende, ausgiebige Recherche. So auch hier. Sehr detailliert wurden zum Beispiel medizinische Sachverhalte anschaulich beschrieben.
Da ich nicht Spoilern möchte, werde ich nicht näher auf den Inhalt eingehen. Aber wie ihr vielleicht erahnen könnt, bin ich durchweg begeistert von "Die Winterrose". Großartige Charaktere, eine starke Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt und eine atmosphärische, realitätsnahe Handlung machen es zu einem wahren Leseerlebnis. Eine gelungene Mischung aus Historischem, Abenteuer und einer Liebesgeschichte. Sehr zu empfehlen!