Dienstag, 6. September 2011

Simon Beckett - "Kalte Asche" und "Leichenblässe"

Die letzte Tage blieb mein Buch zwar oft liegen, dafür konnte ich aber beim Auf- und Ausräumen die beiden Hörbücher hören, die ich von einer Freundin bekommen habe, was die Arbeit um einiges erträglicher gemacht hat. Hier kommen nun also gleich zwei Kurzrezensionen:

"Kalte Asche" (orig.: "Written in Bone)


"Bei entsprechender Temperatur brennt alles. Holz. Kleidung.
Menschen.
Ab 250° Celsius fängt Fleisch Feuer. Die Haut wird
schwarz und platzt auf. Die subkutane Fettschicht beginnt
zu schmelzen wie Butter in einer heißen Pfanne. Bald darauf
brennt der ganze Körper."
- Simon Beckett, Kalte Asche

Merkwürdig sieht die verbrannte Leiche aus, die der forensische Anthropologe David Hunter auf der abgelegenen Hebriden-Insel Runa zu Gesicht bekommt. Durch die unglaubliche Hitze des Feuers ist sie fast gänzlich zu Asche zerfallen -- bis auf Beine und Füße, die fast unversehrt in den Raum ragen. Auch in der Umgebung des unmittelbaren Tatorts hat das Feuer kaum Schaden angerichtet: anders als wenig später, als das Gemeindehaus der Insel, ein Wohnwagen mitsamt des darin wachenden Polizisten und ein Boot inklusive einer allzu neugierigen Reporterin in Flammen aufgehen. Denn auf Runa treibt ein unheimlicher Mörder sein Unwesen, der im Schatten des Rauchs seine dunkle Vergangenheit verbergen will. Bei der Suche nach der Wahrheit sind David Hunter, der Dorfpolizist und sein pensionierter Kollege ganz auf sich allein gestellt. Nach einem Sturm ist Runa von der Außenwelt abgeschnitten... [Quelle: amazon.de]

Die Handlung an sich ist im Grunde genommen erst einmal recht einfach: eine Leiche wird gefunden und nun soll David Hunter herausfinden, ob es sich um Mord handelt. Aufgrund mangelnder Polizeikräfte ist Hunter dann auch - mehr oder weniger freiwillig - bei der Suche nach dem Mörder beteiligt. Spannung kommt nicht nur durch die weiteren Mordanschläge auf, sondern auch durch den Kontaktverlust zum Festland, was gleichzeitig die Atmosphäre des kleinen, englischen Fischerdörfchens verstärkt. Das hat mir sehr gut gefallen, da es mal etwas anderes ist, als die amerikanischen Krimiserien, die ich mir sonst ansehe. (Ich lese ja nicht so viele Thriller...)
Die Charaktere sind gut gezeichnet und so gestaltet, dass Reibereien und Anfeindungen entstehen, die jeden zu einem Verdächtigen werden lassen und bis zum Schluss ist nicht eindeutig, wer es denn war.
Das Ende war etwas kurmelig, aber wer das Schema aus "Die Chemie des Todes" kennt, weiß, dass Hunter sich vor seiner Abreise in falsche Sicherheit wiegt. Außerdem wirkte die Schlussszene auf mich, als wäre Beckett nicht sicher, ob er einen weiteren Roman um Dr. David Hunter schreiben wird.
Insgesamt war "Kalte Asche" ein ganz netter Thriller für Zwischendurch, aber nicht ganz so spannend und bei weitem nicht so ekelig wie "Die Chemie des Todes" und "Leichenblässe". Die Fischerdorf-Atmosphäre hat das aber wieder wett gemacht.

"Leichenblässe" (orig.: "Whispers of the Dead")


"Die Haut.
Das größte Organ des Menschen ist zugleich das am wenigsten
beachtete. Dabei macht es ein Achtel der gesamten
Körpermasse aus und bedeckt bei einem durchschnittlichen
Erwachsenen eine Fläche von etwa zwei Quadratmetern."

-Simon Beckett, Leichenblässe

Eigentlich möchte David Hunter nach seiner Genesung nur ein wenig auf andere Gedanken kommen und folgt daher der Einladung seines Mentors Tom Lieberman an dessen Forschungsinstitut nur allzu gerne. Doch schon bald ist es mit Forschung alleine nicht mehr getan. Lieberman soll die stark verweste Leiche eines Mordopfers untersuchen. Der gesundheitlich stark angeschlagene Lieberman bittet seinen Freund Hunter, ihm bei der Arbeit zu helfen. Dessen Anwesenheit stößt bei den Agenten des Tennessee Bureau of Investigation und beim zuständigen Pathologen auf eisige Ablehnung. Doch Lieberman boxt seinen ehemaligen Schüler allen Widerständen zum Trotz durch. Schnell stellen sich Probleme bei der Untersuchung der Leiche ein. Die Todesursache ist nicht eindeutig zu klären, der Zeitpunkt des Todes ist unklar, was die Anthropologen am meisten überrascht, merkwürdige Fingerabdrücke werden gefunden und die Identifikation des Opfers birgt ungeahnte Schwierigkeiten. Nichts an der Leiche und am Fundort ist so, wie es sein sollte. Zu allem Überfluss rennt den Ermittlern die Zeit davon, denn weitere Opfer tauchen auf. Hunter und Lieberman wird klar, dass der Täter mit ihnen spielt und ein ganz bestimmtes Ziel verfolgt. Beide ahnen jedoch nicht, dass sie selbst in tödlicher Gefahr schweben. [Quelle: amazon.de]

In dem dritten Teil zieht es Hunter also nun, wie im Vorgänger schon angedeutet, in die USA nach Tennesee, wo er eher unfreiwillig in eine Mordermittlung mit einbezogen wird. Durch die Geschehnisse in "Kalte Asche" ist Hunters Selbstbewusstsein angeschlagen und er weiß nicht, ob er seinen Job weiter ausüben soll. Das gibt eine Grundlage für eine gute Nebenhandlung mit charakterlichen Entwicklungen. Der Großteil der Handlung besteht aber aus einer Mordermittlung a la CSI mit dieser ungemütlichen, amerikanischen Krimi Atmosphäre. Das fand ich Schade, da ich mich schon auf einen weiteren englischen Schauplatz eingestellt hatte (ich gebs zu, ich hab den Klappentext vorher nicht gelesen...).
Entsprechend dem Schauplatz gibt es eine Vielzahl von Charakteren und somit einen großen Kreis möglicher Täter. Wieder führt Beckett die Ermittler und auch den Leser an der Nase herum und enthüllt erst ganz zum Schluss den wahren Täter.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger spannt "Leichenblässe" den Leser auf die Folter und ist unglaublich spannend bis zur letzten Minute. Zu meinem Leidwesen aber auch sehr ekelig, da Gerüche und vor allem das Aussehen der Leichen bis ins kleinste Detail beschrieben wird. Noch ein bisschen mehr und ich hätte es einfach weggeklickt.

Beide Hörbücher werden von Johannes Steck gelesen, dessen tiefe, ruhige Stimme mir sehr gut gefallen hat. Er hat eine angenehme Art zu lesen und arbeitet die einzelnen Peronen stimmlich heraus. Bei Gesprächen unter Männern hätte er aber stimmlich deutlichere Unterschiede machen können, da ich zeitweise nicht genau wusste, wer grade spricht. 

Insgesamt bekommen beide Hörbücher von mir drei Punkte. Sie sind spannend, haben Atmosphäre und stellen den Protagonisten immer wieder vor private Probleme, sodass es nicht eintönig wird. Den 4. Teil der Reihe, "Verwesung", werde ich mir mit Sicherheit auch noch ausleihen und anhören.




Kommentare:

  1. Der erste Teil der Reihe "Die Chemie des Todes" liegt bei mir schon auf einem Stapel und wird im Rahmen meines Projekt 1 auch bald gelesen. Deine Rezension hat mir richtig Lust gemacht, wirklich toll geschrieben.

    LG Rekymanto

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  2. Gibt einfach bei google mal den Namen der Autorin ein. Wikipedia spuckt dir dann die ganzen Daten aus :)

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