Donnerstag, 18. August 2011

Rezension zu "Der verborgene Garten" (orig.: "The Forgotten Garden") von Kate Morton

"Es war dunkeln in der Ecke, aber das kleine Mädchen tat, was man ihm befohlen hatte, und blieb in seinem Versteck hocken. Die Dame hatte gesagt, sie müssten noch warten, es sei noch gefährlich, und sie müssten sich so still verhalten, wie Mäuse in der Speisekammer."
- Kate Morton, Der verborgene Garten

Als die Australierin Cassandra von ihrer Großmutter Nell ein Cottage an der Küste Cornwalls erbt, weis sie zunächst nichts damit anzufangen. Als sie jedoch mehr über die Vergangenheit ihrer Großmutter erfährt, beschließt sie doch nach Großbritannien zu reisen, um das Rätsel der Herkunft der verstorbenen Nell zu lösen. Dabei kommt sie einem lange gehüteten Geheimnis auf die Spur und ganz nebenbei schleicht sich auch das Glück zurück in ihr Leben.

Detailreich und wortgewand erzählt Morton die Geschichten der Frauen der Familie Mountrachet, mit ihren Vergangenheiten, Geheimnissen und Wünschen, deren Unsetzung sie teilweise rücksichtslos durchsetzen. Jede dieser Frauen hat ihren eigenen Schicksalsschlag erlebt und jede versucht auf ihre Weise damit unzugehen. Von Kapitel zu Kapitel springt der Erzähler zwischen den Figuren und spinnt so ein Netz, das sich erst ganz zum Schluss zusammenzieht und den Kern der Geschichte, das Geheimnis, preisgibt. Bis dahin jedoch bekommt der Leser, genauso wie Cassandra, immer wieder neue Informationen, die zum mitraten anregen und auch schonmal auf die falsche Spur führen können. So schafft Morton es, durchweg Spannung zu erzeugen und diese zum Ende hin zu steigern. Sehr gut gefallen hat mir auch die sich entwickelnde Liebe zwischen Cassandra und Christian, die glücklicherweise nicht in den Vordergrund gerückt ist, sondern sich im stillen entfaltet und für ein gelungenes Ende sorgt.

Auch die Figuren konnten mich überzeugen. Sie waren durchweg glaubhaft und gut durchdacht, was nicht heißt, das ich sie alle mochte. So war mir zum Beispiel Adelina, die strenge Mutter und Hausherrin, sofort unsympathisch, Cassandra und Nell jedoch mochte in von Anfang an. Es war spannend mitzuverfolgen, wie sich die Figuren und ihre Beziehungen entickeln und wie sie mit verschiedenen Situationen umgehen. Trotz der Vielzahl an Erzählperspektiven und Charakteren, knapp zwanzig, schätze ich mal, war es überhaupt nicht unübersichtlich.

Einen Punkt, den ich besonders herausheben möchte, sind die Märchen, die in die Handlung mit eingeflochten sind. Eliza Makepeace, auch eine Frauenfigur des Buches, war nämlich für ihre Märchen bekannt, die oft sehr düster waren. Die Märchen beschreiben einen Teil von Elizas Charakter und gleichzeitig deuten sie auch auf die Geheimnisse und Geschehnisse in der Familie Mountrachet hin. Das Märchenbuch ist auch der Anfangspunkt der Nachforschungen von Cassandra und Nell und beinhaltet auch die Lösung des Rätsels.

Auch sprachlich hat mir der Roman außerordentlich gut gefallen. Immer wieder bin ich über schöne Worte und Formulierungen gestolpert und habe mich am Detailreichtum der Erzählung erfreut, der die Figuren zum Leben erweckte und die Seiten dahinfliegen ließ, denn obwohl die Sätze doch recht lang und komplex sind, lässt sich das Buch sehr flüssig lesen.

"Der verborgene Garten" ist eine großartige Familiengeschichte, mit einem gut gehüteten Geheimnis, ein bisschen krimineller Energie und einer Prise Romantik, ohne dabei kitschig oder überladen zu sein. Das perfekte Buch für ein paar schöne Stunden im Gartenstuhl!


So, hier kommt nun schon die nächste Rezension. Bei dem tollen Gewitter draußen konnte ich mich einfach nicht von meinem Fensterplatz vor dem Computer fernhalten. So viele Blitze habe ich hier in Deutschland noch nie erlebt. Ach, ich liebe Gewitter!

Eure Caro

1 Kommentar:

  1. Oh, lesen werde ich sie alle, das kann ich dir versichern. Es stellt sich nur die Frage wann. Wahrscheinlich werde ich sie auch alle nächsten Monat kaufen, die Mortal Instruments Reihe bzw. das vierte Buch davon, werde ich mir diese Woche noch bestellen.

    Ja, das ich auf Englisch geträumt habe ist mir auch schon passiert. Das war, nachdem ich angefangen hatte den ersten Sweep Teil zu lesen. Das war vielleicht ne lustige Nacht. Als ich dann wieder angefangen habe den deutschen Krimi weiter zu lesen, fiel mir das am Anfang echt schwer.

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