Dienstag, 7. Juni 2011

Rezension zu "Tipperary" von Frank Delaney

"Be careful about me."


Charles O'Brien wurde 1860 in eine respektable Anglo-Irische Familie hineingeboren und liebt sein Vaterland und dessen Einwohner, die sich nicht unterkriegen lassen. Als Heiler reist er durch das Land und verschreibt traditionelle Heilmittel, wobei er immer wieder Geschichten und Legenden über längst vergangene Zeiten hört. Während er in Paris seinen sterbenden Landsmann Oscar Wilde behandelt, begegnet er der schönen und entschlossenen, jungen Engländerin April Burke und verliebt sich sofort leidenschaftlich in sie, wird jedoch hartherzig abgewiesen. Charles schwört, sich zu ändern und kehrt nach Irland zurück, wo er sich der Erhaltung des großen, verlassenen Anwesens von Tipperary annimt, in dessen Schatten er sein ganzes Leben verbracht hat und welches, wie er entdeckt, April und ihrem Vater gehören könnte. Während Charles seiner Leidenschaft nachjagt, schreibt er die "Geschichte" seines eigenen Lebens und des Hervortreten seines Landes als eine Nation auf.

Diese Geschichte lässt sich in drei Teile aufteilen: Charles Kindheit und seine Liebe zu April, die Freiheitskämpfe in Irland und die Geschichte von Micheal Bernard Nugent, der zunächst namenlose Kommentator.
Die Schilderungen über Charles Kindheit und seinen Werdegang als Heiler sind oftmals etwas langatmig, jedoch später wichtig, da man die Denkweisen und Probleme der Iren kennenlernt. Auch Charles' Liebe zu April ist mir zunächst auf die Nerven gegangen, er war 40, sie 18 und er ließ einfach nicht locker. Später, während des Prozesses um das Anwesen und nachdem April zum ersten Mal geheiratet hatte, verändert sich Charles' Liebe. April ist immer noch seine einzige Liebe, aber er wird ruhiger und weniger aufdringlich. Ab diesem Zeitpunkt ist er mir richtig ans Herz gewachsen und oft hatte ich tiefes Mitgefühl für seine Situation, denn April wollte ein weiteres Mal heiraten.
Mitten in dieser Liebesgeschichte finden die Unabhängigkeitskriege der Iren statt, an denen auch Charles' bester Freund Joey Harney beteiligt ist. Dadurch bekommt auch Charles, der eigentlich Parzifist ist, einiges von den Kämpfen mit. Das waren mitunter meine Lieblingsstellen. Ich finde die Geschichte Irlands unglaublich interessant, deshalb habe ich mir das Buch auch gekauft. Die Kämpfe waren die Stellen, die mich voll und ganz in ihren Bann gezogen haben.
Dann ist da noch Michael Bernar Nugent, der zunächst namenlos bleibt und das Geschehen lediglich kommentiert. Zu Anfang fand ich es störend, weil es den Lesefluss gestört hat, aber nach einigen Seiten habe ich gemerkt, dass er hilfreiche Hintergrundinfos geliefert hat, was das Verständnis enorm erleichtert hat. Später, ungefähr ab der Hälfte des Buches, gibt er sich zu erkennen und fängt an, seine eigene Geschichte zu erzählen und seine Vergangenheit zu recherchieren, nachdem er auf einige Ungereimtheiten gestoßen ist. Zunächst fand ich es etwas merkwürdig, aber dann habe ich auch Michael in mein Herz geschlossen und seine Geschichte erwartungsvoll verfolgt.
Am besten gefallen hat mir das letzte Kapitel. Es ist sehr bewegend und traurig, aber es wird alles aufgeklärt. Leider kommt nicht jeder zu seinem "Happy End".

Die Figuren in der Geschichte haben mir gut gefallen, Delaney hat sich sichtlich Mühe gegeben und es geschafft, Charaktere zu kreieren, die selbstkritisch sind, sich verändern und doch ihre Fehler haben. Obwohl ich Charles am Anfang nicht viel abgewinnen konnte, mochte ich ihn am Schluss, genauso wie Michael. Joey Harney war mir sofort sympathisch, er ist ein Charakter, der für das kämpft, an das er glaubt und er ist ein treuer Freund. Bis fast zum Schluss blieb ich April jedoch skeptisch gegenüber, aber im letzten Kapitel konnte sie mich doch noch überzeugen, ein liebenswerter Charakter zu sein und ich war sehr traurig über ihr Schiksal.

Delaneys Schreibstil konnte mich aber nicht voll und ganz überzeugen. Zwar hat er eine sehr schöne Wortwahl und vertseht es, Dingen leben einzuhauchen, aber leider fehlte mir bei dieser Geschichte die Spannung. Manchmal hat er etwas Spannung aufgebaut, aber nach einigen Seiten war sie dann wieder verflogen. Wahrscheinlich fiel es mir auch deshalb so schwer, größere Passagen des Buches an einem Stück zu lesen.

Cover und Titel des Buches fand ich passend. Auf dem englischen Cover ist ein Schloss in einem Wald abgebildet, was wohl Tipperary Castle sein soll. Von dieser Zeichnung wird auch im Buch gesprochen.
Die deutschen Cover hingegen konnten mich nicht überzeugen. Das grüne enthält zwar einen Streifen, in dem ein Fluss abgebildet ist, aber es hat keinerlei Bezug zum Buch, außer dass es ein Fluss in Irland sein könnte. Das macht auch die Harfe im Vordergrund nicht wett.
Das zweite Cover habe ich erst vor wenigen Tagen entdeckt, was wohl daran liegt, dass man dem Kind einen anderen Namen gegeben hat, was ich nicht ganz verstehe. "Tipperary" beschreibt das Buch viel besser, als "Glanz und Asche", wobei zumindest Asche ein bisschen Bezug zum Inhalt hat. Wahrscheinlich klang "Tipperary" nicht spannend genug oder so. Das Cover gefällt mir auch nicht. Es zeigt einen Landstrich, der Irland sein könnte und unten rechts ist ein Schloss zu sehen. Ich bin froh, meine englische Ausgabe zu haben.

Insgesamt ist "Tipperary" eine sehr schöne Geschichte, die mich in vergangene Zeiten eintauchen ließ. Leider hat das Buch jedoch seine Längen und es mangelt an Spannung, was das Lesen sehr erschwert. Wer viel Durchhaltevernögen hat und sich für Irland interessiert, ist mit diesem Buch bestimmt gut beraten.


Bewertung:
3 von 5 möglichen Punkten


Puh, endlich habe ich es durch. Ich habe noch nie so lange für ein Buch gebraucht. Rückblickend hat es dann doch ganz gut abgeschnitten, obwohl ich manchmal drüber gemeckert habe.


Eure Caro

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