Freitag, 10. Juni 2011

Rezension zu "Please don't hate me" (orig.: "Please ignore Vera Dietz") von A.S. King

"Nichts ist wichtig, wenn man tot ist!"






Veras bester Freund Charlie ist tot und nur Vera weiß, was in der Nacht seines Todes wirklich passiert ist - und Jenny Flick, Charlies Freundin. Seit frühster Kindheit sind Vera und Charlie befreundet und sie kennen all die Geheimnisse des jeweils anderen, doch dann drängt sich Jenny Flick zwischen sie und zerstört ihre Freundschaft. Vera kämpft mit ihrem Gewissen und bis zuletzt bleibt unklar, ob sie sich schließlich dazu durchringen kann, die Wahrheit zu erzählen und Charlies Ruf reinzuwaschen.
Auf diesem Weg stellen sich ihr einige Probleme in den Weg: regelmäßiger Alkoholkonsum, ein 40-Stundenjob neben der Schule, die Trennung ihrer Eltern, die Unklarheit ihrer Gefühle, James und ihr materialistischer Vater, der Veras Meinung nach viel zu streng ist.

Die Geschichte lief etwas schleppend an, der Leser wird bei Charlies Beerdigung in das Geschehen hinein geworfen und weiß  nicht, was passiert ist. In kurzen Episoden wechselt die Erzählung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und erzählt Veras Leben.Der größte Teil der Geschichte wird aus Veras Sicht geschildert, aber auch ihr Vater und Charlie kommen zu Wort. Besonders gut gefallen hat mit, dass der Verlauf der Geschichte nicht vorhersehbar ist, so blieb es die ganze Zeit über spannend. Außerdem wirkte die Handlung trotz der vielen angesprochenen Themen nicht überladen,  da sie in Veras Leben eingebaut waren und einfach dort hin gehörten.

King hat es geschafft, trotz dieser Fülle an Aspekten authentisch zu bleiben und eine liebenswerte Protagonistin zu schaffen, die mit sich und dem Leben zu kämpfen hat. Denn obwohl Vera nach außen hin gelassen wirkt, tobt in ihr ein ständiger Kampf, gegen ihren Vater, ihren Alkoholkonsum und gegen die Wahrheit.
An Veras Seite steht nur noch Ken Dietz, ihr Vater. Er versteckt sich hinter seinem Materialismus und seinen Zen-Sprüchen, wodurch er versucht, die Vergangenheit zu verdrängen und die Angst, als Vater zu versagen, zu überspielen.
Vater und Tochter streiten sich oft und Vera ist sogar teilweise so weit, ihren Vater zu hassen. Im Laufe der Geschichte stellen sie sich jedoch ihren Problemen, lernen, den anderen zu verstehen und finden doch wieder zueinander.
Dann ist da noch Charlie: er ist eigentlich ein guter Mensch, doch zu Hause hat er es mit seinem prügelndem Vater und seiner duckmäusigen Mutter nicht leicht. So beginnt er, die falschen Entscheidungen zu treffen und sich mit den falschen Menschen anzufreunden, wodurch er nicht nur seine, sondern auch Veras Gefühle verletzt.

Auch sprachlich ist das Buch überzeugend: durch den Ich-Erzähler lernt der Leser Vera sehr gut kennen, die Geschichte liest sich, als wäre man direkt in ihrem Kopf. Sprachliche Spielereien und Wiederholungen von verschiedenen Schemen und lockere Formulierungen geben dem Roman etwas jugendliches und spiegeln das Alter der Protagonistin gut wieder, die im Großen und Ganzen die Geschehnisse um sie herum eher nüchtern und distanziert beschreibt.

Das Cover, deutsch wie englisch, fand ich sehr nichtssagend. Der weiße Grund mit den roten Blättern sieht zwar sehr schön aus, sagt aber nichts über den Inhalt aus. Das grün des englischen Cover find ich einfach schrecklich. Diesem Cover muss man aber zu Gute halten, dass es sich auf eine von Charlies Marotten bezieht: Gedanken auf eine Serviette zu schreiben und diese in den Mund zu stecken oder mit einem Zippo zu verbrennen. Genau darauf spielt dieses Cover an.
Dafür hat sich der Verlag aber bei der inhaltlichen Gestaltung Mühe gegeben: Zen-Sprüche sind kursiv gedruckt und auch Charlies Handschrift hat eine eigene Schriftart. Wenn beschrieben wird, dass ein Brief wie eine Spirale geschrieben ist, ist es auch so abgebildet. Auch "Ken Dietz' Überlebensschema" haben mir gut gefallen.

Insgesamt ist "Please don't hate me" ein sehr schönes, einfühlsam geschriebenes Buch. Wer also Jugendbücher mag und Figuren mag, die zu sich selbst finden und mal weg von kitschigen Liebesgeschichten möchte, ist mit diesem Buch gut bedient.

Bewertung: 5 von 5 möglichen Punkten

 Eure Caro

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